Was Ist eine Emotion?

Die Emotion ist eine Anpassungsreaktion:

Seit Urzeiten sieht der Mensch sich mit einer Reihe körperlicher, psychologischer, sozialer und familiärer Zwänge konfrontiert.

Diese Zwänge verleiten zu einem andauernden Ungleichgewicht, auf das er reagiert, indem er ein Verhalten annimmt, mit dem er die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse und ein gewisses Gleichgewicht gewährleistet. Sie stehen beispielsweise morgens auf und stellen fest, dass Ihr dreijähriger Sohn sich anders als sonst verhält. Er hat keinen Hunger, scheint ein wenig apathisch und sieht etwas blass aus. Diese Zeichen verursachen eine gewisse Sorge, die Sie dazu veranlasst, Fieber zu messen. Sehr schnell merken Sie, dass er krank ist und tun das Notwendige, um einen Termin beim Arzt zu vereinbaren. Das Gefühl der Sorge treibt Sie dazu, herauszufinden, wo das Problem liegt und einen Arzt anzurufen.

So ist das mit jeder Emotion: Sie zeigt uns, dass etwas Wichtiges (Positives oder Negatives) passiert und bringt uns dazu, auf eine gewisse Art und Weise zu reagieren. Auch wenn sie schmerzhaft sind, so erfüllen doch alle Emotionen ihren Zweck. Sie sind an unsere Grundbedürfnisse geknüpft und spielen so eine Schlüsselrolle im Überleben unserer Spezies. Die Wut ist beispielsweise an die Verteidigung unseres Territoriums gebunden, Angst zeigt uns Gefahren, das Schuldgefühl lässt uns beschädigte Gefühlsbindungen reparieren, Traurigkeit verspüren wir, wenn wir jemand Wichtigen oder etwas Wichtiges verloren haben…

Die Emotion ist ein komplexes Phänomen:

Unser Gehirn erhält ständig Millionen von Informationen, die einerseits von außen (über die 5 Sinne), andererseits von innen (Körperempfindungen, Bewegungen, Gedanken, Erinnerungen) kommen. Diese Informationen werden permanent durch unser „emotionales Gehirn“ verarbeitet. Es analysiert automatisch jedes Ereignis in mehrerlei Hinsicht: Habe ich solch ein Ereignis schon einmal erlebt? Kann ich es beherrschen? Wird das angenehm sein oder nicht? Befriedigt es meine Bedürfnisse oder wird es mich daran hindern? Entspricht dieses Ereignis meinen Werten?

Entsprechend dem Resultat dieser komplexen Analyse erleben wir eine subjektive Erfahrung, die man „Emotion“ nennt. Diese Erfahrung beinhaltet mehrere Prozesse: physiologische Veränderungen (z.B. ein erhöhter Herzschlag, Schwitzen), eine Vorbereitung auf eine Reaktion (z.B. flüchten, fallenlassen…), Empfindungen (z.B. ein Knoten im Magen, Hitzewallung) und Gedanken (z.B. „Ich werde das nicht schaffen“). Darüber hinaus beinhalten diese Prozesse auch eine soziale Dimension, da der Ausdruck unserer Emotionen direkt den Zustand der Personen beeinflusst, die uns umgeben (z.B. Meine Partnerin merkt, dass ich besorgt bin und wird auch beginnen, sich zu sorgen und mir ihre Unterstützung anbieten).

Heute nimmt man an, dass diese Prozesse in ihrer Gesamtheit, die soziale Dimension inbegriffen, die Emotion ausmachen. Die unterschiedlichen psychotherapeutischen Techniken zur Regulierung der Emotionen machen sich den ein oder anderen Prozess zunutze, um die emotionale Reaktion umzuwandeln. Um emotionale Reaktionen umzuwandeln, beeinflussen Entspannungs- und Atemtechniken beispielsweise die physiologische Dimension, andere Techniken nutzen eine Veränderung der Gedanken, noch andere die Beziehungsebene, um die Emotion zu mindern.